Was ist Entropium und warum tritt es beim Shar-Pei auf?

Als Entropium bezeichnet man nicht nur beim Shar-Pei das unnormale Einrollen eines oder mehrerer Augenlider und deren Wimpern. Das Augenlid hat ein faserartiges Gewebeband, die Tarsalplatte oder auch das Tarsus, welches die Festigkeit gewährleistet und den Augenlidrand insbesondere hinter den Wimpern unterstützen soll. Der Tarsus ist bei Menschen gut entwickelt. Bei Hunden ist er nur schlecht entwickelt und es mangelt an der Festigkeit. Sie können die dicke Tarsalplatte übrigens an Ihrem oberen Augenlid selbst leicht erfühlen (siehe Abbildung 1).

Die schwachen Augenlidränder werden durch die Oberfläche des Augapfels gestützt. Wenn die Augen des Shar-Pei wie im Standard verlangt tief eingesetzt sind, ist diese Unterstützung minimal oder sie geht ganz verloren. Ohne die unterstützende Oberfläche des Augapfels, ohne darauf ruhen zu können, ist möglich das sich die Augenlider nach innen einrollen und dadurch Entropium verursachen. (Siehe Tabelle 2). Entropium kann aufgrund einer Kombination von Konformationsänderungen und Umwelteinflüssen auftreten und ist eine häufige Erkrankung bei Hunden, nicht nur beim Shar-Pei.

Shar-Pei haben Falten. Die Ursache für die Falten Mutation = Hyaluronosis.

Shar-Pei haben unnormal große Mengen von hyaluronan (ha abgekürzt oder auch Muzin genannt) in den Zellzwischenräumen. Hyaluronan ist eine gelartige Substanz, welche die Tarsal Festigkeit weiter verringern kann und damit den Augenlidrand schwächt und das Augenlid schwer macht. Tierärzte in Deutschland bezeichnen es oftmals als eine allgemeine Schwäche des Bindegewebes.

Spastisches Entropium

Wenn ein Auge schmerzt oder (z.B. wegen einer Verletzung, wegen Staubes oder auch Allergien) gereizt ist, zieht sich der Augapfel reflexartig, tief in die Augenhöhle zurück (Shar-Pei kneifen in dieser Situation die Augen besonders Fest zu). Dieser plötzliche Verlust aller Unterstützung veranlaßt die Augenlider dazu sich nach innen zu rollen und kann somit zu akutem Entropium bei einem Hund führen, der für Monate oder sogar über Jahre völlig frei von Augenproblemen war.

Der behandelnde Tierarzt kann das Auge mit einigen Tropfen eines aktuellen Augenbetäubungsmittels prüfen, um dem Patienten die zugrunde liegenden Augenschmerz zu nehmen und um so die Angleichung des Augenlides und des Augapfel beurteilen zu können. Wenn es ein „spastisches Entropium“ ist, lässt das Augenbetäubungsmittel den Augapfel seine normale Position wieder einnehmen und die Augenlider rollen sich dann nicht mehr nach innen. Die Behandlung des spastischen Entropium bezieht natürlich die Beseitigung der primären Ursache der Augenschmerzen ein. Der Gebrauch einer Augensalbe führt im Gegensatz zur Verwendung von Augentropfen zu einer besseren und länger anhaltenden Schmierung des Auges. Spastisches Entropium kann manchmal temporäres Eyetacking erforderlich machen, um damit das Auge für zwei bis drei Wochen vom Entropium zu entlasten, solange bis die Primärursache vollständig beseitigt ist.

Shar-Pei sind anfällig für Allergien und oberflächliche Infektionen. Dieses kann zu Bindehautentzündung, blepharospasmus (Schielen) und sekundärem spastischen Entropium führen. Dieses verursacht einen Teufelskreis aus Schmerzen für konformativ veranlagte Shar-Pei. (Siehe Tabellen 3 u. 4).

Je länger eine Irritation des Auges unbehandelt bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit das sich das spastische Entropium zu einem permanenten Entropium entwickelt.

Gelegentlich kommt es beim Shar-Pei zu einem plötzlichen Verlust von Hyaluronan um die Augen. Dieses kann zu akutem Entropium durch den Verlust der Unterstützung durch das Zurücktreten des Auges führen. Gründe für dieses „lifting“ der Falten und/oder der Verlust des „fleischigen Maules“ können Krankheiten oder Stress sein, was den Körper dann dazu veranlasst Cortisol freizusetzen(was dann zur Einstellung der Hyaluronan Produktion führt), oder die Verabreichung von Steroiden (Cortison) die bei bestimmten Beschwerden zur Behandlung eingesetzt werden. Dieses Problem behebt sich normalerweise von selbst, wenn mit unterstützender Sorgfalt die Ursache behoben ist.

Ignorieren Sie schielende, tränende Augen nicht! Es tut dem Hund weh, kann sehr schnell viel schlimmer werden und ist langfristig viel schwerer zu beheben.

Junge Shar-Pei Welpen

Shar-Pei Welpen bekommen ihre extremen Falten in den ersten Wochen ihres Lebens. Dieses ist ein Resultat der charakteristischen Hyaluronosis der Rasse. Shar-Pei wachsen die meißten ihrer Falten bis zu Erwachsenenalter wieder aus. Die Absetzung von überschüssigem Hyaluronan in den Augenlidern und über das Auge führt bei einigen Welpen zu Entropium.

Tacking ist die Platzierung von temporären Matratzenähten in den Augenlidern, um die Augenlidseitenränder wieder nach außen umzustülpen und vom Entropium zu entlasten. (Siehe Tabelle 5).

Viele, aber nicht alle Welpen, die getackt werden müssen, brauchen im Alter von sechs Monaten eine dauerhafte Korrektur. Einige Welpen, die nicht getackt werden mußten, benötigen im Erwachsenenalter trotzdem eine chirurgische Korrektur. Einige Welpen, die das Eyetacking bekommen haben, brauchen später keine weiteren chirurgischen Entropium Korrekturen.

Ptosis

Als Ptosis (ausgesprochen „Toe-sess “) bezeichnet man die Unfähigkeit das obere Augenlid zu einem normalen Grad anheben zu können und resultiert in einem hängenden Augenlid. Massive Stirnfalten beim Shar-Pei können Ptosis verursachen. Übermäßiges Hyaluronan im oberen Augenlid kann ebenfalls Ptosis verursachen, weil die schwachen Augenlidmuskeln nicht imstande sind, das schwere obere Augenlid genug anzuheben. Vertikales Peitsche-Syndrom ist, wenn die oberen Wimpern gerade nach unten stehen und an die untere Bindehaut anschlagen, was häufige Entzündungen verursacht. Dieses hängt mit Ptosis zusammen. Die unteren Augenlider haben bei Hunden keine Wimpern. (Siehe Tabelle 6).

Warum besonders Shar-Pei zu Entropium neigen?

Aus dem Zuchtstandard des Chinese Shar-Pei Club of America:

Warnung ! „Der Kopf ist groß, etwas, aber nicht übermäßig, stolz getragen und mit ausgiebigen Falten auf der Stirn, die in den seitlichen Falten fortfahren und das Gesicht einrahmen. Die Augen – dunkel, klein, mandelförmig und tief sitzend, einen finsteren Ausdruck zeigend.“

Der CSPCA Standard fordert die “eingesunkenen“ oder tief sitzenden Augen. Deren Augenlider können nicht genügend Unterstützung bieten. Auch ein breiter Kopf mit „ausgiebigen Falten auf der Stirn, die in den seitlichen Falten fortfahren und das Gesicht einrahmen“, kann zu Ptosis führen, wenn die Falten über den Augenbrauen zu schwer und übermäßig ausgeprägt sind.

Der UK Kennel Club hat dieses vor kurzem angesprochen und in einem Interim-Standard festgehalten, welcher die Beschreibung im Standard für die Augen des Shar-Pei wie folgt ändert:

ACHTUNG ! So gehts richtig! . . .„dunkel, mittlere Größe, mandelförmig mit einem die Stirn runzelnden Ausdruck. Bernsteinfarbene und hellere Augenfarben sind zulässig bei helleren Schattierungen. Die Funktion des Augapfels oder der Augenlider dürfen keinesfalls durch die umgebende Haut, Falten oder Fell gestört sein. Irgendein Zeichen von Entzündungen des Augapfels, der Bindehaut oder der Augenlider sind in hohem Grade unerwünscht. Frei von Entropium.” . . .

Behandlung von Entropium

Chirurgische Korrektur ist die empfohlene Behandlung für erwachsene Hunde mit erblichen Entropium. Unkorrigiertes Entropium ist schmerzhaft und erhöht das Risiko für Blindheit und Verhaltensprobleme (Reizbarkeit und Angriff).

Neugeborenen Entropium kann mit der Platzierung eines temporären Eyetacks bei Welpen behandelt werden, deren Augen sich auf eine fristgerechte Art und Weise nicht öffnen können, oder die Blepharospasmus entwickeln. Eyetacks können bei Shar-Pei Welpen mit Entropium gelassen werden

  1. bis diese nicht mehr gebraucht werden,
  2. bis diese herausgewachsen sind,
  3. bis diese die Augenlider nicht mehr genug halten und ersetzt werden müssen,
  4. bis eine dauerhafte Korrektur im Alter von ungefähr sechs Monaten erforderlich ist.
Shar-Pei Welpen können aus Entropium herauswachsen

Ophthalmologisten stimmen im allgemeinen darin überein, daß das Augen tacken bei Shar-Pei erfolgreich bis zum Alter von sechs Monaten sein kann und dieses ist auch unsere Erfahrung aus den letzten 28 Jahren gewesen. Ist der Shar-Pei älter als sechs Monate wird eine dauerhafte Korrektur in Form einer Operation erforderlich. (Siehe Tabelle 7)

Richtlinien für Züchter: führe gute Aufzeichnungen!

• Behalten Sie im Auge, wer getackt werden muß
• Vermeiden Sie es getackte Welpen in ihrem Zuchtprogramm zu behalten
• Achten Sie darauf wieviele Welpen pro Wurf einer Hündin und eines Rüden getackt werden mußten, informieren Sie den Rüdenbesitzer
• Nehmen Sie Hunde aus der Zucht, die viele Welpen produzieren, welche getackt werden müssen
• Bitten Sie die neuen Welpenbesitzer Sie zu informieren, wenn der Hund Augenprobleme in der Zukunft hat und VERFOLGEN SIE DAS WEITER!
• Bewegen Sie sich in Richtung des idealen Ziel: Nicht oder nur wenig tacken müssen.

Warum Sie weg vom Entropium züchten müssen

Es ist schmerzlich. Es ist teuer. Unbehandeltes Entropium kann zu Hornhaut Schäden einschließlich Geschwürbildung und Blindheit führen. Der Augapfel kann perforiert werden und Einfallen.

Entropium kann Verhaltensprobleme verursachen: Agressivität, Reizbarkeit und/oder eine Abneigung zu spielen und aufeinander einzuwirken (Hunde mit starkem Entropium neigen dazu mit ihren geschlossenen Augen herum zu sitzen). Beheben Sie die Augenprobleme Ihres Shar-Pei und Sie sehen häufig einen völlig „neuen Hund“.

Nach fast 30 Jahren Behandlung von Shar-Pei, sehe ich nur noch wenige Fälle von primärem Entropium und weniger Hunde mit schlimmen Augenschäden, was ich dem größeren Bewusstsein der möglichen Schäden von unbehandeltem Augenkrankheiten zuschreibe. Ich habe bedeutende Verbesserung gesehen. Dennoch empfehle ich, daß Züchter es vermeiden Shar-Pei mit übertriebenen Falten zu züchten und empfehle nachdrücklich, Hunde zu züchten, die keine eingesunkenen Augen haben. Ich würde Diskussion über den gegenwärtigen Standard in diesem Bereich anregen. Wir wünschen uns das alle unsere Shar-Pei gut und schmerzfrei sehen können – ohne die Notwendigkeit chirurgischer Eingriffe und/oder ohne dauerhafte Verabreichung von Medikamenten. Wie bringen uns unsere Entscheidungen in unseren Zuchtprogrammen zu diesem Ziel?

Linda J.M. Tintle, DVM

www.wvc.vetsuite.com

Nov. 2009

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